Spaziergang im Bois de Lauzelle


A. Ein Wald mit verschiedenartigen Bäumen mit mehreren Funktionen

Der Bois de Lauzelle bietet eine große Vielfalt von Biotopen, manchmal in geringer Entfernung voneinander.  Dies kann auf eine kontrastreiche Ausrichtung, unterschiedliche Erde etc. zurückzuführen sein. Es geht von umgrenzten Bereichen in freiere Bereiche.
Im ersten Bereich der Route trifft man auf lichtliebende Pionierpflanzen: Eichen, Kastanien, Eschen, Linden, Hängebirken, Kirschbäume. In diesem Bereich mit reichlich Lichteinfall kann man auch regelmäßig den Zilpzalp, Gartengrasmücken, Heckenbraunellen sowie Rotkehlchen beobachten. Sie werden vielleicht überrascht sein von der Anzahl der vorhandenen Nistkästen. Der Wald wird ökonomisch genutzt und diese Nistkästen sollen die im Rahmen dieser Nutzung gefällten Bäume ersetzen.


B. Tal des Blanc Ry

Das Tal wird von einem Bach, dem Petit Ry, durchquert und liegt senkrecht zum Tal der Dyle. Dieser Bach bietet eine beachtenswerte biologische Qualität (Biotischer Index 10/10), was das wichtige Vorhandensein von Flusskrebsen, Schlammschnecken und Bachflohkrebsen fördert. Diese Wasserinsekten ernähren sich hauptsächlich von pflanzlichen Abfällen und tragen so zum Abbau organischen Materials bei. Unser Rundgang geht hier nicht vorbei, aber wir laden Sie ein, einen kleinen Abstecher nach links zum See von Blanc Ry zu machen. Das Gezwitscher der vielzähligen Vögel in diesem wahren Paradies wird Sie nicht enttäuschen. Die schwimmenden Inseln wurden eigens für die Vögel gebaut. Eine permanente Insel (auf einem Erdhügel gelegen) wird gerade fertiggestellt.
Mehrere Quellen speisen den Petit Ry. Zwei Frischwasserzuläufe (Biotischer Index 10/10) wurden ausgebaut. Bald kann man seinen Durst an der „Fontaine de l’arbre qui pleure“ (Brunnen des weinenden Baumes) löschen. Aber vergessen Sie nicht, dass es sich hier um ein nicht den europäischen Normen entsprechendes Frischwasser handelt.

C. Die Tümpel

Mehrere Gewässer wurden ausgebaut, um die Ausbreitung einer Wasserfauna, u. a. der Amphibien, zu begünstigen. Im Gegensatz zum Grasfrosch, der Erdkröte und der Geburtshelferkröte, deren Kaulquappen häufig in stehenden Gewässern zu finden sind, vermehren sich Salamander und Bergmolche in freien und fließenden Gewässern. Diese vom Aussterben bedrohten Amphibien sind im Bois de Lauzelle glücklicherweise in steigender Anzahl vertreten. Diese unterschiedlichen Gebiete werden in erster Linie von etwas weniger bekannten, aber dennoch einheimischen Pflanzen bewachsen.


D. Abgestorbene Bäume – ein Paradies für Spechte

Bevor es auf dem Weg 550e hinaufgeht, kann man in dem Teich auf der rechten Seite mehrere abgestorbene Bäume sehen, dessen Stümpfe von Buntspechten, Schwarzspechten und Grünspechten durchlöchert wurden. Die Stümpfe dienen ihnen als Trommel und gelegentlich auch als Nistplatz, der auch von anderen Tieren benutzt wird: von Fledermäusen, Waldbaumläufern und von einer Vielzahl von Insekten. Im Sommer ernährt sich der Specht von holzfressenden Insekten, die er durch Behämmern der Stämme sucht. In der schlechten Jahreszeit wird er zum vegetarischen Allesfresser und ernährt sich von aller zur Verfügung stehenden Nahrung. Er markiert sein Revier durch das Trommeln, das deutlich stärker und regelmäßiger als das Hämmern ist. Im Frühling tönen seine sehr spezifischen Gesänge durch den Wald.

E. Feuchtgebiete

Hält man auf der Hälfte des hinaufführenden Weges an, kann man unten auf dem Weg 550e die verschiedenen Biotope sehen. Sie werden ausschließlich unter ökologischen Gesichtspunkten verwaltet und bieten ein Paradies für Rotkehlchen, Zaunkönige, Amseln, Mönchsgrasmücken, Gartengrasmücken, Erlenzeisige und Waldschnepfen.

Die grasähnliche Bodenbedeckung besteht hauptsächlich aus für diese Feuchtgebiete typischen Pflanzen: Brombeeren, Wiesenschaumkraut, Hainsimse. Die holzigen Baumarten an dieser Stelle sind lakustrisch: Weiden, Eschen, Bergahorn, Erlen. Als einziger kleiner Laubbaum mit Zapfen zieht letzterer den Erlenzeisig an, dessen Gesang Sie (mit etwas Glück) in den hohen Laubbereichen hören können. Ein Teil dieses Feuchtgebietes wird als Naturschutzgebiet ausgezeichnet. 

F. Ausgiebige Bodenbedeckung

Beim Heraufgehen nehmen Sie bestimmt mit Staunen zur Kenntnis, dass der Boden auf der linken Seite mit kleinen Zweigen und Farnüberresten aus dem letzten Sommer bedeckt ist. Der Wald gilt als natürliches, aber auch forstwirtschaftliches Gebiet. Die entstehenden Bäume müssen somit bestimmte wirtschaftliche Eigenschaften erfüllen. Zur Eliminierung von Astgabeln, Zweigen mit zu dickem Umfang oder Formmängeln etc. wurde ein künstliches Ausästen an den jungen Pflanzen durchgeführt. Die Abfälle des Ausästens, die liegengelassen werden, können als Lebensraum für eine Vielzahl von Arten fungieren und werden durch Pilze, Insekten und Vögel etc. zersetzt.
Der an diesen trockenen und sonnigen Stellen vorhandene Adlerfarn wuchert großflächig dank seines großen unterirdisch vorhandenen Netzes (der Wurzelstock kann über 100 Jahre alt werden). Seine von Wild und Vögeln wenig geschätzten Wedel entwickeln sich jedes Jahr im Mai und können eine Höhe von bis zu 3 Metern erreichen.

G. Gewölbebogen

Seit zwei Jahren werden Weißbuchen entlang des Weges 550e angepflanzt. Ziel ist es, ein ästhetisches und ökologisches Gewölbe zu schaffen. Man kann Zaunkönignistkästen sehen, die im letzten Sommer gebaut wurden.

H. Lärchen

Rechts ist eine Lärchenansiedlung zu sehen (dies ist der einzige einheimische Nadelbaum, der sein Nadelkleid im Winter verliert). Das Lärchenholz ist unverrottbar und widersteht jedem Insektenbefall. In den skandinavischen Ländern wird die sehr tanninreiche Rinde in großem Maßstab für die Ledergerbung benutzt. 

I. Buchen

Etwas weiter entfernt durchquert man einen Hochwald, der hauptsächlich aus Buchen besteht. Diese Baumart unterbricht den einfallenden Lichtstrahl, säuert wie die Nadelbäume die Erde und verringert die Entwicklung der unteren Waldschichten. Das Holz bietet vielfache Nutzungsanwendungen: es wird zum Bauen, zur Möbelherstellung und als Holzkohle verwendet. In dieser Landschaft gibt es hauptsächlich auf Bäumen lebende Vögel: Meisen, Kleiber und Gartenbaumläufer. Der Kleiber verdankt seinen Namen seiner Gewohnheit, den Eingang seiner Höhle mit Hilfe von getrocknetem Schlamm zuzumauern und so verschiedenen Räubern den Zutritt zu verwehren.

Man kann eventuell Rehe beobachten, die den Hang in Richtung Feuchtgebiet herunterlaufen, wo sie trinken und zarte Gräser finden können. Die Paarungszeit erstreckt sich von Ende Juli bis Mitte August. Nach der Paarung ruhen die befruchteten Eizellen 4 Monate lang; die tatsächliche Trächtigkeit beginnt danach und dauert ungefähr 5 Monate. Diese versetzte Trächtigkeit hat zum Zweck, dass das Ende der Tragezeit nicht mitten im Winter liegt. Die Geburt findet in den Feuchtgebieten in absoluter Diskretion statt. Die Nahrung des Rehes besteht hauptsächlich aus Zweigen sowie Eschen- und Ahornblättern, was das Reh für Schäden an Waldanpflanzungen verantwortlich macht. Zu seiner Nahrung gehören auch Brombeersträucher.

J. Tolle Ameisenhaufen in einem Fichtenwäldchen

Die Fichte ist eine der in Westeuropa am meisten verbreiteten Nadelbaumarten. Das Holz ist ein ausgezeichnetes Nutzholz. Es wird auch für die Möbel- und Fußbodenherstellung verwendet. Vom Weg aus sind enorme Kuppeln aus Tannennadeln und Zweigen zu sehen, die von Ameisen gebaut wurden und für das im Boden liegende Nest als Schutz vor Unwetter und Temperaturschwankungen dienen. Bitte auf keinen Fall den Weg verlassen, um die Ameisenhaufen zu beobachten, da diese u. U. zerstört werden könnten. Eine Ameisenkolonie besteht aus mindestens 10000 Arbeiterameisen sowie aus einer Ameisenkönigin. Zur Befruchtung verfügt die Ameisenkönigin über einen Samenzellenvorrat, den sie von einer männlichen Ameise während der nur einmal stattfinden Paarung während des Brautflugs erhält. Die Königin legt zwei Arten von Eiern: aus nicht befruchteten Eiern schlüpfen männliche Ameisen und aus befruchteten Eiern schlüpfen Arbeiter oder Königinnen, je nach Nahrung, die sie als Larve erhalten. Die meisten Ameisen sind Allesfresser. Insekten, Tierkadaver, Blattläuse sowie die Exkremente der Blattläuse gehören zu ihrer Nahrung. Wenn Sie ihre Hand unter einen Ameisenhaufen halten würden – was nicht erlaubt ist – würden Sie sofort den Geruch der Ameisensäure wahrnehmen, den die Ameisen zur Abwehr oder zur Tötung ihrer Beute ausstoßen.

K. Fledermausgrotte

Beim Heruntergehen geht es links über eine Treppe aus Holzstämmen in Richtung der Fontaine Paulus. Etwas weiter, auf der Höhe des Teiches, kann man (wenn man aufmerksam schaut), eine in der Vegetation im Tal verborgene Konstruktion sehen. Es handelt sich um eine Fledermausgrotte. Sie wurde 1996 in der Nähe der Quellen errichtet, um eine konstante Hygrometrie und Temperatur zu gewährleisten – die Idealbedingungen eines Winterquartiers für Fledermäuse, Salamander, Schmetterlinge, Frösche, Kröten und eine Vielzahl von Insekten.